In 2025 stand ich beim Triathlon in Siegburg auf dem Gesamt Podium. Platz 3 gesamt. Das Interessante daran: Ich bin exakt dieselbe Zeit gelaufen wie vor dreizehn Jahren.
Der kleine Unterschied? Damals war ich 39. Heute bin ich 52. Und nein, das ist kein nostalgischer Rückblick auf bessere Zeiten. Ganz im Gegenteil.
Von Anfang bis Ende Vollgas. Kein gemütlicher Altersklassenmodus. Kein „für mein Alter ganz ordentlich“. Einfach Leistung. Denn eines habe ich über die Jahre gelernt: Alter schützt vor Leistung nicht.
Weder im Sport noch im Berufsleben. Trotzdem halten sich hartnäckig die gleichen Mythen:
- Ü50 ist weniger belastbar.
- Ü50 lernt langsamer.
- Ü50 ist für viele Unternehmen nicht mehr interessant.
Wirklich? Bullshit!
Dann lasst uns gerne gemeinsam zehn Kilometer laufen. Die schaffe ich nach wie vor in 35 Minuten. Und beim Marathon steht vorne weiterhin eine 2. Das ist wohlgemerkt mein persönlicher Maßstab. Jeder sollte seinen eigenen haben. Mir geht es um etwas anderes: Leistung hat nichts mit dem Geburtsjahr zu tun.
Im Ausdauersport gibt es den Begriff des Lebenskilometer-Vorteils.
Gemeint ist die Fähigkeit, Erfahrung, Belastbarkeit und intelligente Steuerung miteinander zu verbinden. Wer viele Kilometer gesammelt hat, trainiert nicht zwangsläufig härter. Aber häufig klüger.
Genau das erlebe ich auch im Business. Während andere noch diskutieren, erkenne ich Muster. Während andere Fehler zum ersten Mal machen, habe ich viele bereits hinter mir. Während andere auf Aktionismus setzen, setze ich auf Wirksamkeit. Das ist kein Altersbonus. Das ist Erfahrung.
Und Erfahrung ist kein Kostenfaktor. Erfahrung ist ein Performance-Booster.
Viele der Methoden, die im Spitzensport funktionieren, lassen sich nahezu eins zu eins in Unternehmen übertragen:
- Fokus statt Dauerstress
- Regeneration statt Dauerbelastung
- Priorisierung statt Aktionismus
- Kontinuierliches Training statt Hoffnung auf Talent
Genau damit arbeite ich seit Jahren in Projekten, Teams und Führungskräfteentwicklungen. Unternehmen wie die Deutsche Telekom, seit vielen Jahren ein geschätzter Kunde, nutzen solche Ansätze bereits erfolgreich.
Und ganz ehrlich: Wenn Unternehmen über Fachkräftemangel klagen, gleichzeitig aber erfahrene Mitarbeitende jenseits der 50 unterschätzen, dann sollten sie vielleicht nicht zuerst den Arbeitsmarkt analysieren sondern ihre eigenen Denkmuster.
Ich lebe einen großen Teil des Jahres in Südafrika. Dort spricht kaum jemand über sein Alter. Noch seltener wird es als Begründung für mangelnde Leistungsfähigkeit herangezogen. Ähnliche Erfahrungen habe ich in Australien gemacht. Die bei uns so beliebten Altersentschuldigungen wirken dort oft fremd.
Mein Motto, welches ich von einem der erfolgreichsten Marathonläufer Haile Gebrselassie übernommen habe ist: „Age, my friend, is just a number.“
Die entscheidende Frage ist nicht, wie alt jemand ist, sondern lautet: Wie lernbereit, leistungsfähig und wirksam ist dieser Mensch heute?
Denn Leistung hat kein Geburtsdatum.


